Einführung in die technische Forex-Analyse

Chartanalyse für Forex & CFDs: Eine Einführung

Im Börsenhandel und im Forex & CFD Trading existiert die technische Analyse als bewährtes Mittel, um Kursbewegungen finanzieller Güter oder Währungen vorauszusagen. Im Forex liegen allen Währungspaaren fünf wichtige Datenwerte zugrunde:

  • Der Eröffnungkurs,
  • Kurshoch-
  • sowie Tiefpunkt (oft Tageshoch/Tagestief - aber auch andere Zeiträume),
  • der Schlusskurs
  • sowie das Volumen.

Letzteres ist für den Devisenhandel allerdings etwas komplizierter, da es nicht auf die gleiche Art gemessen werden kann wie in Aktien-, Güter- oder Future-Märkten (da es nicht einen zentralen Börsenplatz gibt im Forex). Die Fundamentale Forex-Analyse ist grundlegend statistischer Natur, da die hierbei auszuwertenden historischen Daten leicht quantifiziert und visuell in Charts dargestellt werden können.

In diesem Artikel erklären wir als Basiseinführung, wie die technische Chart-Analyse funktioniert und wie man sich diese aneignen kann.

Technischer Ursprung

Die technische Chartanalyse gibt es schon so lange, wie es Märkte gibt, die auf Angebot und Nachfrage basieren. Die ersten bekannten, historischen Aufzeichnungen sind von niederländischen Kaufmännern verfasst und auf das 17. Jahrhundert datiert, weitere Berichte stammen von japanischen Reishändlern aus dem 18. Jahrhundert.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die technische Analyse zunehmend mehr Aufmerksamkeit, als Charles Dow, Gründer und Redakteur des Wall Street Journals, entscheidend zu ihrer Popularität beitrug. Aber auch seine zeitgenössischen Landsmänner trugen hierzu Ihren Teil bei. Dazu zählen unter Anderem Ralph Nelson Elliot, Begründer der berühmten Elliot-Wave-Theorie und William Delbert Gann, dem die Gann-Angles-Theorie zugrunde liegt.

Für den größten Teil des 20. Jahrhunderts wurde die technische Analyse durch manuelles Erfassen und schematisches Darstellen von Daten durchgeführt, da die automatische Zusammenfassung von großen Mengen statistischer Daten (ohne Computer) weitgehend nicht zur Verfügung stand. Das bedeutete ebenfalls, dass es noch keinerlei Indikatoren gab. Die heutige Zeit der technologischen Verfügbarkeit wird auch gerne als Goldene Ära der technischen Analyse bezeichnet: Dank Internet und Computern ist für jedermann die technische Analyse heute in Realtime verfügbar.

Allgemeine Bestandteile

Obwohl die technische Chartanalyse zahllose Werkzeuge, Techniken und Methoden umfasst, basiert sie doch im Grunde genommen auf simplen Charts. Charts sind nichts anderes als die grafische Darstellung der Kursverläufe in einem Diagramm.
Trader benutzen diese Charts, um Bewegungsmuster, Unterstützungen und Widerstände und andere "Gesetzmäßigkeiten" oder Parameter erkennen zu können. Und natürlich liefern Charts, zum Beispiel in der Handelssoftware MetaTrader, automatisch fast alle weiteren wichtigen Infos: den aktuellen Kurs, die Kursbewegung des Tages, und vieles mehr.

Kursformationen verlaufen oft nach Bewegungsmustern, seien es nun Trendmuster, Umkehrmuster oder Marktformationen und werden oftmals als "Marktstimmungen" bezeichnet. Für viele analytische Trader besteht der erste Schritt einer Trading-Strategie darin, die aktuelle Marktstimmung zu erkennen und abzuschätzen, wie lange diese noch anhalten wird.

Um diese Formationen und Muster erkennen zu können, haben Trader eine Reihe von Charting-Tools entworfen, die für Trader aller Erfahrungsstufen zur Verfügung stehen: Indikatoren. Sie reichen von Unterstützungs- und Widerstandslinien über Preiskanäle bis hin zu ganzen Reihen von Indikatoren, die sich zu einem sogenannten Zielindikator zusammenfügen.
Die Welt der Indikatoren ist eine Welt für sich: vermutlich existieren weltweit zehntausende von Indikatoren, die aber immer gleich arbeiten: nach einer mathematischen Formel, einem Algorithmus, wird der historische Kursverlauf analysiert, um daraus Rückschlüsse auf die zukünftige Bewegung ziehen zu können.

Indikatoren

Technische Indikatoren sind also Add-ons für Trading-Plattformen, die programmiert sind, statistische Daten mathematisch auszuwerten und Korrelationen zwischen verschiedenen Daten zu evaluieren, um Kursbewegungen voraussagen zu können.
Grob zusammengefasst lassen sich technische Indikatoren in vier Gruppen zusammenfassen:

  • Trend-Indikatoren: Moving Average (MA), Directional Moving Average (ADX), Ichimoku Kinko Hyo, Moving Average Convergence/Divergence (MACD), Parabolic SAR
  • Momentum: Relative Strength Index (RSI), Stochastic Cscillator, Williams % Range (%R)
  • Volatilität: Average True Range (ATR), Bollinger Bands (BB), Standard Deviation
  • Volumen: Money Flow Index, Accumulation/Distribution Line, On-Balance Volume

Im Aktien- und Futuremarkt ist das Volumen einer der wichtigsten Indikatoren. Dies kann zwar auch für den Forex- & CFD Handel angewandt werden, jedoch ist es einfach nicht möglich das gesamte gehandelte Volumen in den Forex-Märkten zu analysieren, mangels zentralem Handelsplatz wie einer Börse. Der internationale Forexmarkt ist der Interbankenmarkt, ohne festem Börsenplatz. Somit kann an keiner zentralen "Sammelstelle" das Volumen gezählt werden.

Für Forex gilt also: Der Forex-Markt wird "OTC" getradet ("over the counter"), daher kann das totale Trading-Volumen nicht errechnet werden. Dies hat zur Folge, dass alle Indikatoren nur eine Stichprobe der Volumen-Daten für ihre Analyse benutzen können. Wie viel davon tatsächlich repräsentativ ist, ist eine andere Frage.

Die Technische Analyse wird weltweit von Tradern genutzt, hat aber besonders im Forex-Markt einen Favoriten-Status erreicht, da sie auch für Zeitrahmen eingesetzt werden kann, die weniger als einen Handelstag umfassen. Dazu muss allerdings erwähnt werden, dass auch einige Fachleute das Konzept der technischen Analyse ablehnen und behaupten, dass diese im Forexmarkt wie auch anderen kompatiblen Märkten keine zuverlässigen Kursvorhersagen produzieren kann. Anwender der technischen Forex-Analyse berufen sich wiederum darauf, dass sie zwar nicht (mit hundertprozentiger Trefferquote) die zukünftigen Kursbewegungen antizipieren kann, aber doch zumindest dabei hilft, die gegenwärtige Marktsituation auszuwerten, was durchaus schon zu konsistent profitablen Trades verhelfen kann.

Alle Trader, insbesondere die Einsteiger, wünschen sich Sicherheit und Gewissheit. Dies kann es jedoch niemals zu 100% geben: jede Prognose ist nur eine Prognose, auch über die technische Chartanalyse. Wenn Sie sich eine Zeitlang mit der technischen Analyse beschäftigen, ist jedoch eine relevante, "gute" Trefferquote möglich. Für die "negativen" Treffer: beachten Sie Ihr Risikomanagement!

Grundprinzipien

Kursbewegung ignoriert externe Faktoren

Der logische Rahmen der technischen Analyse leitet sich von einem der Axiome der Dow-Theorie ab, welches annimmt dass der Kurs präzise alle für ihn relevanten Informationen wiederspiegelt. Demnach findet sich jeder Einflussfaktor des Kurses, der sich auf Angebot und Nachfrage auswirkt, auch unweigerlich im Chart wieder. Alle weiteren Ereignisse die sich außerhalb der Kursbewegungen abspielen, werden in diesem Rahmen als unzuverlässige, ungeeignete und nutzlose Daten betrachtet.

Kursbewegungen in Trendmustern

Ein anderes Echo der Dow-Theorie behauptet, dass Kursbewegungen grundsätzlich nach Trendmustern ablaufen.

Märkte können aufstrebende Trends haben, in diesem Fall wird von einem bullischen Markt gesprochen, der immer höhere Hoch- und Tiefpunkte durchläuft. In diesem Fall springt der Kurs wellenartig auf und ab, bewegt sich aber grob im Rahmen eines aufwärts gerichteten Korridors. Die identisch, aber in abwärts strebende Richtung ablaufende Marktstruktur wird bärischer Markt genannt.

Bulle & Bär, steigende und fallende Märkte

Einen Trend, nach dem der Markt horizontal ("seitwärts") verbleibt ist ein sogenannter "Ranging Market" und das genaue Gegenteil von "Traummarkt eines jeden Traders". Denn während dieser Perioden der horizontalen Ruhe lassen sich Bewegungen und Ausbrüche nur extrem schwer vorhersagen. Dadurch dass die Bullen und die Bären in etwa ausgeglichen stark sind, und keine Seite über die andere dominiert, entstehen keine vorhersagbaren Trendmuster. Und last not least: Forex & CFD Trader handeln in aller Regel Bewegungen, ein Seitwärts-Markt ist in diesem Sinne keine Bewegung - Gewinne sind hier eher nicht möglich.

Leider befinden sich Märkte durchschnittlich zu 60% der Zeit in diesem Zustand, wodurch rechtzeitiges Erkennen und korrektes Identifizieren von Trends enorm wichtig ist. Dabei interessiert sich die statistische Forex-Analyse nicht für das "Warum?". Die Frage warum bestimmte Trends ablaufen ist sicher nicht uninteressant, hat für den technischen Trader aber keine Relevanz. Er nimmt die Existenz dieser Trends hin ohne sie zu hinterfragen, da nur die daraus folgenden Ergebnisse für seine Analyse von Bedeutung sind.

Geschichte wiederholt sich immer wieder

Um die dritte Grundvoraussetzung für das technische Forex-Trading zu diskutieren, muss man darauf achten, nicht zu sehr in die philosophische und psychologische Perspektive abzudriften, da man sich sonst sehr schnell bei der Frage wiederfindet, ob Menschen (und Börsen) tatsächlich nach vorhersehbaren Mustern handeln oder nicht.

Analysten sind sich einig, dass Investoren in ihrer Gesamtheit nach Mustern handeln. Aufbauend auf dieser Annahme behaupten Analysten in der Lage zu sein, diese Muster identifizieren zu können, um zuverlässige Vorhersagen treffen zu können, die konsistent die Wahrscheinlichkeit der Profitabilität ihrer Trades erhöhen.

Es ist allerdings keine gute Idee, ausschließlich technische Forex-Analyse als Analysequelle für Ihr Trading heranzuziehen. Die technische Chartanalyse wird oft in Kombination mit anderen, fundamentalen oder stimmungsbezogenen Analysen verwendet. Technische Analysen können zwar benutzt werden um Trends erfolgreich zu identifizieren und zu bestätigen, aber um deren Ursprung ermitteln zu können sind Methodiken aus der fundamentalen Analyse vonnöten.

Nochmals: Wie mit allen statistischen Erhebungen im Bereich menschlicher Verhaltensmuster ist es nicht garantiert, dass vergangene Daten eine Wiederholung des Musters in der Zukunft garantieren. Es werden lediglich Aussagen über die Wahrscheinlichkeit dessen getätigt.

Zusätzlich wird vorausgesetzt, das beim Rückvergleich die Marktbedingungen bei Ordereröffnung und -Schließung genau und korrekt bekannt waren.

Abschließend

Technische Marktanalyse ist eine Methode der Trading-Analyse, bei der statistische Aufzeichnungen von Kursdaten ausgewertet werden. Die technische Analyse ignoriert dabei Faktoren, die das Verhalten der Bullen und Bären, Angebot und Nachfrage oder andere externe Einflüsse beeinflusst. Es werden ausschließlich vergangene Daten analysiert, um dem Trader bei der Erkennung von Trends zu helfen.

Kursdaten liegen meistens in Form von Charts bereit, die in verschiedenen Darstellungsformen wie z.B. den japanischen "Candlesticks" visualisiert werden (Candlestick ist eine der beliebtesten Chartdarstellungen, neben Linien- und Balkenchart).
Verschiedenste Werkzeuge wie Unterstützungslinien, Widerstandslinien, Trendlinien und technische Indikatoren werden dazu genutzt, diese Charts zu analysieren und Kursbewegungsmuster zu erkennen.

Diese Kursbewegungsmuster sind ein Schlüsselkonzept, um das sich alles bei der technischen Forex-Analyse dreht. Die Existenz dieser Bewegungsmuster ist ein empirisch belegter Fakt, auf dem technische Forex- & CFD Trader ihre Trading-Strategien grundlegend aufbauen.

Obwohl die tägliche, technische Analyse von bestimmten akademischen Kreisen stark kritisiert wird, findet sie auf den verschiedensten Finanzmärkten starke Anwendung, wenn auch oftmals in Kombination mit anderen, ergänzenden Analysemethoden.