Wie Sie die volatilsten Währungspaare in den Griff bekommen

Der Sommer 2016 war für den Forex-Markt eine volatile Zeit. Die größten Bewegungen waren aber aufgrund des Brexit-Votums in FX-Paaren zu verzeichnen, die das britische Pfund enthielten. Die auf das überraschende Ergebnis folgende Unsicherheit, löste Schockwellen an den weltweiten Finanzmärkten aus.

Mittlerweile haben die unmittelbaren Nachbeben des Brexit Referendums zwar nachgelassen, jedoch beeinflussen andere Faktoren die Devisenmärkte noch immer. So erhielt die Unsicherheit durch Spekulationen über das Timing der nächsten Fed Zinserhöhungen und Ängste über eine langfristige Schwäche der Wirtschaft neuen Nährboden. In den meisten Fällen geht diese Unsicherheit mit einer erhöhten Volatilität einher.

Welche waren also in jüngster Zeit die volatilsten Währungspaare?

Dieser Artikel soll Antworten auf diese Frage liefern und allgemein auf die Volatilität von Forex Währungen eingehen. Zunächst muss aber geklärt werden, was Volatilität eigentlich ist, wie sich volatile Währungspaare klassifizieren lassen und wie man sich gegen Volatilität schützen kann.

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Was ist Volatilität?

Wenn von Volatilität die Rede ist, dann ist damit gemeint, wie stark sich ein Kurs über eine bestimmte Zeit bewegt hat. Ein volatiler Markt wird sich also über einen bestimmten Zeitraum mehr bewegen, als ein weniger volatiler Markt.

Davon ausgehend können Kursbewegungen zwei verschiedene Merkmale aufweisen:

  1. proportional
  2. absolut

Beide haben ihre Berechtigung, denn:

  • Ein proportionales Verhalten ist für Vergleiche allgemein besser geeignet, aber
  • wenn es speziell um Währungen geht, so kann es nützlich sein, von absoluten Bedingungen auszugehen.

Viele Händler möchten aber nur die typische Pips-Bewegung für einen bestimmten Zeitraum wissen. Daher wird für den Zweck eines Vergleichs auch in diesem Artikel betrachtet, um wie viele Pips sich der Kurs der Währungen bewegt.

Der Volatilitätsindex, Forex ATR Indikator

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Volatilität zu messen, aber einer der bekanntesten Indikatoren für diesen Zweck ist die Average True Range (ATR).

Der ATR Indikator wurde durch J. Welles Wilder (zusammen mit einer Sammlung anderer bekannter Methoden) entwickelt und in dem Buch Neue Konzepte des technischen Handels veröffentlicht. Wilder war ein Rohstoff Trader. Daher wurde der ATR ursprünglich für die Rohstoffmärkte kreiert. An den Rohstoffmärkten gibt es normalerweise eine gewisse Zeitspanne zwischen der Marktschließung und der Markteröffnung. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Rohstoffpreise zur Eröffnung eine Gap (also eine Lücke) aufweisen. Eine Kurslücke tritt auf, wenn der Kurs zur Markteröffnung ein anderer ist, als der Schlusskurs des Vortages.

Für den Forex Markt ist dies weniger ein Problem, da Währungen 24 Stunde am Tag gehandelt werden. Dennoch kann dieser Fall auftreten, wenn die Devisenmärkte nach der Schließung am Wochenende wieder geöffnet werden. Eine daraus resultierende Kurslücke stellt allerdings für die einfachste Form der Volatilitätsmessung ein Problem dar, die für einen bestimmten Zeitraum den Bereich zwischen Hoch und Tief betrachtet.

Worin besteht also das Problem, wenn der vorherige Schlusskurs außerhalb dieses Bereiches liegt? Wenn wir uns ausschließlich auf den High-Low-Bereich konzentrieren, so ignorieren wir ein gewisses Maß an Bewegung, wenn die Marktlücke offen ist.

Die True Range ist ein Maß, das diesem Umstand Rechnung trägt, da es folgende Faktoren überprüft:

  1. Hoch der aktuellen Periode minus dem Tief der aktuellen Periode
  2. Hoch der aktuellen Periode minus dem Schlusskurs der vorherigen Periode
  3. Tief der aktuellen Periode minus dem Schlusskurs der vorherigen Periode

Beachten Sie dabei, dass die True Range stets einen positiven Wert hat. Sollte sich aus der obigen Berechnung ein negativer Wert ergeben, so wird das Minuszeichen ignoriert.

Warum wird das gemacht? In Bezug auf die Volatilität ist nur der Umfang der Kursbewegung und nicht deren Richtung von Interesse. Sobald die Werte für die True Range vorliegen, kann die ATR abgeleitet werden.

ATR ist ein exponentiell gleitender Durchschnitt (Moving Average = MA) der True Range.

Die gute Nachricht ist: ATR ist ein Standardindikator im MetaTrader. Er kann zur Erstellung einer Liste mit den volatilsten Devisenpaaren genutzt werden, um für diese dann mithilfe des MetaTrader Supreme Edition Plugins noch einige andere nützliche Indikatoren einbeziehen zu können.

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Die volatilsten Währungspaare

Von Ende August bis Anfang September 2016 werden die folgenden Währungspaare als die 3 volatilsten herangezogen:

  • GBP/NZD
  • GBP/AUD
  • GBP/CAD


Hier ist sehen Sie ein 4-Stundenchart mit GBP/NZD mit darunter gezeichneter ATR:


Zum Vergleich sehen Sie nun ein Chart mit EUR/CHF, der auf Platz 1 der am wenigsten volatilen Währungspaare rangiert (Stand September 2016).

Der ATR der gleichen Periode für:

  • EUR/CHF wird nie höher als 21 Pips
  • GBP/NZD wird nie weniger als 54 Pips

Wir können also sehen, dass der GBP/NZD sich mehr weit bewegt hat als der EUR/CHF.

Die Vorgehensweise war wie folgt:

  1. Verwendet wurde eine 20-Perioden-ATR, zur Messung der Volatilität
  2. Über einen Zeitraum von 4 Wochen,
  3. angewendet auf die 27 meistgehandelten Paare.

Das Ergebnis deutet darauf hin, dass das Brexit Referendum noch immer Auswirkungen auf die Volatilität des GBP hat.

Was ist so wichtig an Währungsvolatilität?

Wie die meisten technischen Messmethoden, bezieht sich auch der ATR auf das, was in der Vergangenheit passiert ist. Dies ist wichtig, um eine fundierte Vermutung darüber zu geben, was für den Markt in Zukunft wahrscheinlich ist. Solch ein Wahrscheinlichkeiten einbeziehendes Denken bildet den Mittelpunkt eines guten Tradings.

Ein guter Trader sollte folgende Eigenschaften aufweisen:

  1. Er versucht nicht, spezifische Aussagen über die Zukunft zu treffen.
  2. Er versucht, die langfristige Erfolgswahrscheinlichkeit von Strategien zu beurteilen.

Vermutlich haben Sie sich bereits die Frage gestellt, ob es möglich ist, vor Zeiten höherer Volatilität gewarnt zu sein. Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja, das ist es. Eines der Tools die Trader dazu verwenden ist der Forex Kalender. Denn wenn Sie beobachten, wie die Volatilität durch die Veröffentlichung bestimmter Informationen steigt, bekommen Händler schnell ein Gefühl dafür, welche Art von Datenveröffentlichungen zu Bewegungen auf den Märkten führen können.

Ein gutes Beispiel dafür ist das US Bureau of Labor Statistics, welches am 1. Freitag eines jeden Monats seine Beschäftigungsdaten veröffentlicht. Diese Daten sind sehr aktuell und korrelieren historisch perfekt mit dem Wirtschaftswachstum. Das Ergebnis ist, dass es mit der Veröffentlichung der Daten an vielen Märkten - so auch am Devisenmarkt - zu starken Bewegungen kommt.

Aber das ist nur ein Teil der Geschichte, da Volatilitätsmuster auch im Laufe der Handelswoche auftreten können.

Wenn Sie dies gerne selbst ergründen und wissen möchten, wie die Volatilität im Laufe der Zeit ab und zu nimmt, dann schauen Sie sich unseren Leitfaden zu den besten Wochentagen für den Forex- und CFD Handel an.

Weitere Arten, wie sich Volatilität auf das Trading auswirken kann

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die Volatilität für ihre Handelsentscheidungen nutzen können. Zum Beispiel können Sie die Messung der Volatilität nutzen, um das Risikoniveau für Ihre Trades zu reduzieren. Dies beinhaltet, dass Sie Ihr Trading Volumen so anpassen, dass es für die Volatilität des Marktes angemessen ist.

Oder anders ausgedrückt:

  • Je volatiler ein Paar ist, desto kleiner sollte Ihre Positionsgröße sein
  • Je geringer die Volatilität eines Paares ist, desto größer könnte Ihre Positionsgröße sein

Mit diesem Schritt können Sie versuchen, die Auswirkungen der Volatilität auf Ihr Trading reduzieren.

Warum sollten Sie das tun? Stellen Sie sich vor, Sie verwenden die gleiche Strategie für verschiedene Währungspaare. Es liegt nahe, dass dabei Ihre Chancen auf Gewinn oder Verlust für jede Position gleich sind, richtig? Denn eine erfolgreiche Strategie sollte Ihnen langfristig einen Gesamtgewinn bescheren.

Dies bedeutet aber auch, dass ein solches Gesamtergebnis trotzdem eine Serie von Trades mit Verlusten und Gewinnen generiert. Was dabei aber zählt, ist das Gleichgewicht der Ergebnisse. Entscheidend ist, dass die Verluste der defizitären Trades nicht die Gewinne der erfolgreichen Trades übersteigen. Doch genau das kann passieren, wenn sich die Verluste in volatilen Währungspaaren häufen, weil die Positionsgröße nicht an die Volatilität angepasst wurde.

Die Volatilität kann Ihnen aber noch einen weiteren Dienst erweisen. Nämlich wenn es darum geht, anhand der Volatilität einen Markt auswählen, der am besten zu Ihrem Tradingstil passt. Wenn Sie langfristigen Trends folgen wollen, so sollten Sie Währungspaare bevorzugen, die weniger volatil sind. Warum? Weil volatile Märkte es erschweren, einem langfristigen Trend zu folgen. Steigende Kurse sorgen dafür, dass es stets auch Zeiten geben wird, in denen Sie zusehen müssen, wie ein Teil Ihrer Gewinne wieder dahinschmilzt. Und genau das kann für die Psyche eines Traders eine echte Herausforderung bedeuten.

Sind Sie jedoch ein Swing Trader, so werden Sie volatilere Paare bevorzugen.

Ein gutes Beispiel für extreme Marktvolatilität ist der bereits erwähnte Brexit. Untenstehend finden Sie ein Chart zu EUR/USD aus dieser Zeit:

Das Bild zeigt den Tageschart des EUR/USD, mit der 10-Tage ATR darunter. Obwohl dieses Währungspaar auf unserer Liste mit den volatileren Währungspaaren nicht ganz oben stand, können Sie gut sehen, wie volatil dieses FX Paar in diesem Zeitraum war. Die lange rote Candle in der Mitte steht für den 24. Juni 2016, also den Tag, an dem die Märkte auf das Ergebnis der Brexit Abstimmung reagierten. Ganz offensichtlich führte solch eine starke Bewegung zu einem Anstieg der ATR auf ein sehr hohes Niveau. Weil die ATR ein Durchschnitt ist, blieb sie auch noch einige Zeit nach dem Ereignis hoch.

Doch schon einige Zeit vor der Brexit Abstimmung stieg die ATR. Ein Anstieg der Volatilität war schon Anfang Juli zu verzeichnen. Die Tagesdurchschnittswerte von unter 100 Pips, die Mitte Mai zu sehen waren, stiegen in nur wenigen Wochen an, so dass die Tagesrange am 3. Juni bereits 220 Pips betrug. Dementsprechend nahm auch die Möglichkeit, Gewinnen und Verluste zu machen, entsprechend zu.

Um noch einmal zu besagtem 24. Juni zurück zu kommen: wenn Sie zu diesem Zeitpunkt Short im EUR/USD gewesen wären, hätte der schlagartige Anstieg der Volatilität dazu geführt, dass Ihr Gewinn um mehr als 500 Pips gestiegen wäre.

Abschließende Worte zur Volatilität

Eine vollständige Strategie sollte Regeln für die folgenden Punkte enthalten:

  • Welche Märkte werden gehandelt
  • Wann werden bestimmte Märkte gehandelt
  • Die Positionsgröße
  • Das Risikomanagement

Das Wissen über die Volatilität eines Marktes kann Ihnen helfen, in Bezug auf die oben genannten 4 Faktoren bessere Entscheidungen zu treffen und ist somit sehr wichtig. Wie bereits in diesem Artikel erwähnt, ist die Messung der Volatilität von dem Zeitraum abhängig, auf den Sie sich konzentrieren wollen. Welcher Time Frame dafür die besten Informationen zur Verfügung stellt, ist wahrscheinlich davon abhängig, welche Art von Trader Sie sind.

Was für Sie am besten funktioniert, können Sie am besten mithilfe eines Demokontos herausfinden, indem Sie es einfach ausprobieren.

Hoffentlich helfen Ihnen die in diesem Artikel erläuterten Punkte zu den volatilsten Währungspaaren dabei, Ihr Trading auf die nächste Ebene zu heben.


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