Die besten fundamentalen Forex-Indikatoren erklärt - Teil II

Forex Indikatoren: PPP, IRP, BOP, Real Interest rates model, Monetary model

Dieser Artikel ist die Fortsetzung unserer Ausführung Die wichtigsten fundamentalen Indikatoren für die wirtschaftliche Lage erklärt und konzentriert sich auf Wirtschaftstheorien die bei erfahrenen, langzeit-orientierten Tradern Verwendung finden.

Marktbezogene makroökonomische Theorien basieren auf dem Prinzip der Parität. Im Kontext fundamentaler Forex-Indikatoren bezieht sich Parität darauf, dass Wirtschaftsindikatoren zweier zu betrachtender Länder identische Werte liefern. Wenn keine Parität vorliegt, passt sich der Währungskurs des Paares (in der Theorie) entsprechend an, vollzieht dies jedoch langsam und stufenweise. In diesem Zeitraum der Anpassung entstehen Trading-Gelegenheiten, wodurch die Richtung der Ungleichheit selbst als fundamentaler Forex-Indikator betrachtet werden kann.

Kaufkraftparität - auch "Purchasing power parity" (PPP)

Kaufkraftparität, international als "PPP" bezeichnet, ist einer der besten fundamentalen Forex-Indikatoren. Sie wird von Wirtschaftstheorien als wirtschaftliche Komponente und Herangehensweise aufgegriffen, mit der sich der "tatsächliche" Wert der Währungen bestimmen lässt.

Die Grundidee basiert auf der Annahme, dass keine Transaktionskosten existieren, wodurch Güter überall auf der Welt den gleichen Preis haben, unabhängig vom Standort des Käufers. Kaufkraftparität erlaubt es Tradern, die Wechselkurse zu ermitteln zu denen es angemessen wäre, eine bestimmte Menge von Gütern in einem spezifischen Land zu erstehen. Darüber hinaus erlaubt die PPP die Preisentwicklung von Gütern zu verfolgen, um so Inflationsraten nachzuvollziehen, was indirekt Einblick in die Stärkung oder Schwächung der betroffenen Währungen erlaubt.

PPP kann benutzt werden, um wirtschaftliche Vergleiche zwischen Ländern aufzustellen. Wenn man sich deren wirtschaftliche Entwicklung über ganze Jahre ansieht, kann in der Regel festgestellt werden, dass Wechselkurse zwischen den betroffenen Währungen sich parallel zu den durch PPP ermittelten Trends bewegen.

Weiterhin kann dieser Indikator benutzt werden, um wirtschaftliche Daten wie das Bruttoinlandsprodukt so zu ergänzen, dass ein präziseres Bild der Wechselkurssituation erstellt werden kann.

Zinsparität - auch "Interest rate parity" (IRP)

Die Zinsparität ist der Kaufkraftparität ähnlich, aber hierbei bezieht man sich auf den Einkauf von Finanzanlagen. Theoretisch sollte das in allen Ländern zum gleichen Ergebnis führen, nachdem in die entsprechende Währung umgerechnet wurde. Sollte hier eine Abweichung entstehen, so bedeutet dies, dass die Währungskurse angepasst werden müssen. Bei der Zinsparität handelt es sich um einen der nützlichsten fundamentalen Forex-Indikatoren, der Langzeittradern zur Verfügung steht.

Bei der Anwendung dieser Methode wird angenommen, dass

  1. Kapital mobil ist und Investoren Aktiva landesintern sowie international ungehindert austauschen können, und dass
  2. Assets in Liquidität umgewandelt werden können.

Wenn die Punkte 1 und 2 gelten, werden Investoren logischerweise Assets halten, um höhere Gewinne zu generieren. Wir wissen dass Investoren Aktiva aus verschiedenen Ländern besitzen: Wenn also die entstehenden Gewinne nicht identisch sind (nach Umrechnung), so entsteht wieder eine Ungleichheit in den Währungsraten.

Internationaler Fisher-Effekt (IFE)

Bei dem internationalen Fisher-Effekt handelt es sich um eine Wirtschaftstheorie, die aussagt dass die Änderungen eines Währungswechselkurses zwischen zwei Ländern ungefähr dem Unterschied in deren Nominalwechselkurs entspricht.

Wenn man Ihn als fundamentalen Forex-Indikator betrachtet, funktioniert der IFE folgendermaßen: Wenn man davon ausgeht dass höhere Zinsraten mit höheren Inflationsraten korrelieren, wird die Währung eines Landes das niedrige Zinsraten hat, im Wert gegen eine Währung eines Landes mit höheren Zinsraten mit der Zeit an Wert zunehmen. Dabei bleibt zu beachten, dass der IFE zwar auf sinnvoller Logik basiert, aber andere, zusätzliche Einflussfaktoren die die Entwicklung der Währungskurse beeinflussen, nicht beachtet werden.

Theorie der Zahlungsbilanz

Bei der Zahlungsbilanz handelt es sich um die Gesamtheit aller Zahlungen und monetären Transaktionen zwischen Ländern über eine bestimmte Zeitperiode hinweg. Sie betrachtet auch den Austausch von Gütern, Dienstleistungen, Einkommen, Schenkungen, finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten mit dem Rest der Welt.

Die Zahlungsbilanz besteht aus drei Konten. Das erste, "aktuelle Konto" umfasst die Bilanz aus dem Handel (Export minus Import), Faktoreinkommen (Einnahmen durch internationale Investoren minus Zahlungen an selbige) und Geldtransfers. Der zweite "Kapitalkonto" verzeichnet die Nettoveränderungen im Besitz von Auslandsvermögen auf. Zuletzt verbleibt das Ausgleichskonto, das dazu benutzt wird um statistische Fehler auszugleichen und sicherzustellen dass die ersten beiden Kapitalkonten zusammen Null ergeben.

Die Zahlungsbilanz ist ein wichtiger fundamentaler Indikator im Forexhandel, da sie es Wirtschaftswissenschaftlern erlaubt, bestimmte ökonomische Zielsätze zu quantifizieren. Beispielsweise kann ein Land seine Geldumtauschraten künstlich niedrig halten um seinen Export zu stimulieren oder auf der anderen Seite Strategien verfolgen die mehr Fremdinvestment anziehen.

Zusammenfassend erlaubt das Auswerten von Defiziten oder Überschüssen in der Zahlungsbilanz Tradern sich ein Bild davon zu machen, in welche Richtung die Währungskurse gehen könnten. Wenn ein Land unter Defiziten leidet, ist es anzunehmen dass die Währung an Wert verlieren wird um wieder Balance zwischen den Bilanzkonten herzustellen. Logischerweise führen Überschüsse zu einem ähnlichen Ausgleich, nur dass in diesem Fall der Wert der Währung nach oben korrigiert wird.

Vermögensmarkt-Modell

Das Vermögensmarkt-Modell konzentriert sich auf den Geldfluss-Aspekt der Zahlungsbilanz. Es sagt aus, dass die Wertbewegungen einer Währung vom Kapitalfluss in das betroffene Land abhängen zum Zwecke von Aktien und Anleihenkauf.

Das Vermögensmarktmodell verdient es dabei durch die aktuellen Wachstumsschübe im Bereich finanzieller Aktiva, separat als ein eigenständiger fundamentaler Forex-Indikator betrachtet zu werden. Da die Bewegung von Geldmitteln zwischen Ländern immer mehr an Volumen gewinnen, im proportionalen Vergleich zu Handelsgütern und Dienstleistungen, kommt dem Kapitalkonto in der Zahlungsbilanz zunehmend mehr Bedeutung gleich.

Verzeichnet ein Land eine Erhöhung des Kapitalflusses durch Investitionen, so erfährt es auch eine Erhöhung der Nachfrage seiner Währung, wodurch diese wiederum an Wert zunimmt. Zusätzlich hängt der Wert von Wirtschaftsgütern nicht nur von den aktuellen Bewegungen im Finanzvermögen des Landes ab, sondern auch von dem erwarteten Verhalten von Investoren in der Zukunft.

Wie bereits im ersten Teil dieses Artikels erwähnt, werden heutzutage riesige Volumen von Finanzvermögen weltweit gehalten und bewegt. Wenn sich wirtschaftliche Bedingungen verändern, so wirkt sich das auf das Verhalten von Vermögensträgern aus, führt zu Neuverteilungen von Vermögen und stört die bestehende Balance des Währungsaustausches.

Realzins-Differenzmodell

Den "Realzinssatz" erhält man durch Abzug der erwarteten Inflation vom Nominalzins. Das Realzins-Differenzmodell sagt ganz einfach aus, dass Investoren durch die Aussicht auf Profite ihrer Investitionen angezogen werden, und Ihre Finanzmittel entsprechend verteilen, solange die Risiken dabei in einem akzeptablen Rahmen bleiben.

Aus der Sicht der fundamentalen Forex-Indikatoren ist ein hoher Zinssatz, unabhängig davon ob er nun durch Nominalwechselkurse oder niedrige Inflationsraten erreicht wird, ein gutes Zeichen für interessierte Investoren, was wiederum die Nachfrage der lokalen Währung erhöht.

Realzins-Differenzmodell

Das Geld-Modell (Monetary Model) schlägt vor, dass der Wert einer Währung von Einkommensniveau, Zinsraten, Inflationsraten und der monetären Stärke des Landes abhängt. Hierbei kommen Elemente der Quantitätstheorie (eine Erhöhung der zur Verfügung stehenden Geldmenge führt zu einer Erhöhung des Preisniveaus) und der Kaufkraftparitätstheorie (eine Erhöhung des Preisniveaus führt zu höheren Zinsraten) zur Anwendung.

Eine Währung nimmt an Wert zu, wenn die monetäre Politik ihres Landes stabil ist. Das führt zu einer Zunahme an verfügbaren Geldmitteln, Zinsraten und Inflation, sowie Einkommensniveau. Eine Währung verliert an Wert wenn die Geldpolitik des Landes instabil ist und deren politische Entscheidungen widersprüchlich sind.

Es gibt dabei zwei Variationen des Monetary Models: "Flexibel" und "Beharrlich". Das flexible Modell schlägt vor, dass die Kaufkraftparität fortwährend und augenblicklich stattfindet. Wenn ergo die Geldmittel, das Einkommensniveau, Inflation oder Zinsraten zunehmen, dann steigen nach diesem Modell die Preise für Güter und Dienstleistungen auch sofort an. Dabei sagen empirische Erhebungen widerum aus, dass Geldmittel, Einkommen, Inflation und Zinsen schnelle Änderungen erleben können, Unternehmenszyklen aber widerum Zeit benötigen um auf diese Änderungen zu reagieren, wodurch eine Verzögerung der Preisanpassungen zustande kommt. An dieser Stelle kommt das beharrliche Modell ins Spiel und sagt aus dass Preise von Gütern und Dienstleistungen über kurze Zeit "beharrlich" bleiben, und sich nur Stück für Stück über einen gewissen Zeitrahmen anpassen.

Die größte Kritik erfährt das Monetary Model dadurch, dass es den Zu- und Abfluss von Geldmitteln durch Investoren ignoriert, wie zum Beispiel auch beim Fisher-Effekt. Wie wir wissen hat der Fluss von Investitionen oft größere Auswirkungen auf eine Währung als die Preise der Güter und Dienstleistungen des Landes. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei der Monetären Theorie um einen wichtigen fundamentalen Forex-Indikator der dazu benutzt werden kann, die Währungen von Ländern auszuwerten, die zu geringeren Ausmaßen durch Fremdinvestitionen beeinflusst werden, zum Beispiel durch diesbezüglich einschränkende Gesetze.

Abschließend

Wirtschaftswissenschaften sind eine empirische Wissenschaft - das heißt, dass es keine vollständig kontrollierbaren Experimente geben kann. Neue Daten entstehen täglich als Resultat globaler, ökonomischer Entwicklungen und nehmen stetig weiter an Komplexität zu. Es ist nur natürlich, darin Muster erkennen zu wollen, aus denen dann Theorien entstehen können, die Ursprünge und Auswirkungen von Marktveränderungen erklären können. Aber dabei ist es wichtig nicht aus den Augen zu verlieren, dass eine Theorie eben nur eine Theorie ist.

Lernen Sie die theoretischen Grundlagen zu Forex-Indikatoren

Nur weil sie in einer Situation oder einem Zusammenhang anwendbar war und funktioniert hat, heißt das nicht dass sie auch in Zukunft uneingeschränkt gültig ist. Mit neuen Daten entstehen auch neue Korrelationen die wieder neue Erklärungen und Zusammenhänge erfordern. Der Forex-Markt ist dabei ständig in Bewegung, also ist es wichtig diese fundamentalen Forex-Indikatoren zu verstehen und dynamisch anzuwenden, wenn man die Bewegungen im Forex-Markt nachvollziehen können will.